Mit der Rikscha ins Büro

Zwei Tage ging nichts in der Londoner U-Bahn: Ein Streik lähmte bis heute morgen eine der wichtigsten Verkehrsadern der britischen Hauptstadt. Und ganz London ärgerte sich. Wirklich ganz London? Das kleine Fahrradtaxi-Unternehmen „Bugbugs“ profitierte teilweise vom Ausstand, berichtet der Fahrer Friedel Schröder.


Der Streik von 2.300 Mitarbeitern der Londoner Tube verursachte lange Warteschlangen in den Bahnhöfen
© CARL DE SOUZA/AFP/Getty Images
ZEIT online: Mögen Sie den U-Bahn-Streik, Mister Schröder?

Schröder: Naja. Jedenfalls hat er uns tagsüber mehr Fahrgäste beschert. Das waren vor allem Touristen, die sonst mit der Tube gefahren wären. Und ein paar Geschäftsleute waren auch dabei.

ZEIT online: Geschäftsleute?

Schröder: Ja, die nehmen sich eine Rikscha, um zum Beispiel von Charing Cross zum Bahnhof King´s Cross zu kommen und dann den Zug zum Flughafen Stansted zu erwischen. Wenn keine U-Bahn fährt und die Autotaxen im Stau stehen, bleibt Ihnen kaum eine andere Möglichkeit.

ZEIT online: Und die sitzen dann im Anzug und mit Laptop-Tasche in Ihrer Rikscha?

Schröder: (lacht) Klar. Wenn die ihren Flieger erwischen wollen, was sollen sie machen? Zum Glück sind die Briten ja recht stoisch.

ZEIT online: Dann drücken Sie jetzt sicher die Daumen, dass die Gewerkschaft den Streik bald fortsetzt, oder?

Schröder: Hm, das ist so eine Sache mit dem Streik. Tagsüber hat er uns mehr Kundschaft eingebracht. Aber abends kommen dann weniger Leute in die Stadt, weil weniger U-Bahnen fahren. Und gerade zur night-life machen die Touristen gerne eine kleine Stadtrundfahrt mit uns. Ich würde also sagen, der Ausstand ist geschäftlich für uns ein Nullsummenspiel. Außerdem müssen unsere Fahrer ja auch irgendwie zur Arbeit kommen.

ZEIT online: Nehmen die nicht das Fahrrad?

Schröder: (lacht) Nicht alle. Und die kamen dann schon mal zwei oder drei Stunden zu spät – wie die meisten anderen Londoner auch.

Die Fragen stellte Markus Brügge

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