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Thread: Akzeptanz des Rikschabetriebes in Deutschland

  1. #1
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    Default Akzeptanz des Rikschabetriebes in Deutschland

    Hallo und Willkommen
    an Alle, die sich für dieses Thema interessieren.

    Ich bin seit Mai 2005 in Deutschland, Trier ein Rikscha-Taxi unternehmer. Auf meiner Webseite: http://www.rikscha-trier.de könnt Ihr detaillierte Informationen über mich, meinen Betrieb und Trier entnehmen.

    Dieses Thema biete ich in Deutsch an, weil ich mich in dieser Sprache am besten ausdrücken kann.

    Ich will in Trier das Rikscha-Taxi zur alltäglichen Personenbeförderung ausbauen und in der Innenstadt diese Fortbewegungsart für alle etablieren. Das ist die einzig sinnvolle Nutzung der Rikscha, die ich erkennen kann. Dazu sind meiner Erfahrung nach akzeptable Preise die absolute Grundvoraussetzung.

    Die Akzeptanz meines Angbots ist jedoch so gering, dass bei einer vergleichbaren Akzeptanz in der Speiseeisbranche alle Eisverkäufer in Trier zusammengenommen bei 40000 täglichen Besuchern maximal 40€ am Tag umsetzen könnten.
    Natürlich gehe ich davon aus, dass mein Angebot in so kurzer Zeit noch nicht weit genug verbreitet ist, ich habe am Anfang auch den Preis verkehrt gesetzt, doch die tagtägliche Erfahrung, wenn tausende von Menschen dieses Angebot verschmähen, hat mich gelehrt:
    Diese Menschen halten es nicht nur für unnötig die Rikscha zu benutzen, sie finden es darüberhinaus auch noch anmaßend mit einem solchen "ungehörigen" Angebot belästigt zu werden.

    Bevor ich anfing die Rikschen auf die Straße zu bringen hatte ich gedacht, dass das neue Angebot auf reissenden Absatz stossen würde. Dem war absolut nicht so.

    Auf meiner Webseite unter der Rubrik "Angebot/Über Uns" habe ich unter dem Stichwort Vorurteil die "Peinlichkeit" thematisiert, die Menschen beim Anblick des Fahrrad-Taxi-Angebotes empfinden; dabei habe ich auch einige Sätze untergebracht, die meines Erachtens nach dieses Angebot in den Städten begründen und sogar notwendig machen.

    Auf Anraten des ADFC-Thüringen, der die Webseite
    http://www.pro-rikscha.de/
    betreibt habe ich mich im Forum angemeldet um das Thema zur Diskussion zu stellen. Ich würde mich über Eure Meinungen, Erfahrungen, Public-Relation-Aktionen über alle Beiträge sehr freuen, denn ich denke, dass wir alle voneinander lernen können.
    Mir geht es dabei vor Allem darum die Fahrrad-Taxi-Branche von dem exotischen Beigeschmack und den damit verbundenen Vorurteilen zu befreien, damit die Branche in naher Zukunft eine wirklich breite Akzeptanz bei der Bevölkerung findet.

    Für's Erste schließe ich hier,
    dies ist mein erster Auftritt in einem Forum, bitte um Entschuldigung für eventuelle Fehltritte.
    makk

  2. #2
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    Default Re: Akzeptanz des Rikschabetriebes in Deutschland

    Einen schönen guten Abend,

    ja wir beide haben schon ein wenig diskutiert und hoffen hier noch weitere deutschsprechende Rikschabegeisterte zu finden.

    Mit der Seite "Peinlichkeit" meint er diese hier: http://www.rikscha-trier.de/de/angeb...inlichkeit.php
    (Ich habe es nämlich nicht gleich gefunden.).
    Ja, die Sache mit der Peinlichkeit. Ich muss gestehen, ich habe sie selbst nie als so stark empfunden bzw. hätte nicht gedacht, dass sie für andere Menschen ein so starkes Hindernis darstellen kann. Wenn mensch die Rikschataxidienstleistung als peinlich empfindet, dann stellt sich für mich allerdings die Frage, warum er den nicht auch beim Autotaxifahren ein ähnliches Gefühl hat. Schließlich wird doch in unserer Gesellschaft allzu oft propagiert, dass gerade das Auto ein Ding ist, was jeder beherrschen sollte. (Ich empfinde das nicht so). Einen Führerschein zu machen wird fast vorausgesetzt. Wenn sich also nun jemand in ein Autotaxi setzt, dann müsste dieser doch auch ein Peinlichkeitsgefühl haben, weil r sich ja nun chauffieren lassen muss und nicht selbst das Fahrzeug lenkt, oder?

    Gesucht sind hier nun also Hilfsmittel, um die empfundene Peinlichkeit abzubauen. Ich denke man kann dabei in zwei Richtungen denken: Einmal muss der Nutzensaspekt mehr in den Vordergrund gestellt werden und andererseits muss das Vorurteil verschwinden, dass man doch niemand anders für sich abrackern lassen kann.

    Zum ersten Punkt Nutzen: Die Vorteile des Rikschafahrens müssen mehr betont werden. Ich habe diese auf meiner Website zusammengefasst: http://www.beepworld.de/members89/cyclo/plaedoyer.htm

    Besonders Wert muss hier zum Thema Peinlichkeit darauf gelegt werden, dass ja auch der Diensleistende, also der Fahrer, davon profitiert, dass es nämlich eine schöne Beschäftigung an frischer Luft mit viel menschlichen Kontakten ist, die einen fit hält und die schließlich auch noch bezahlt wird.

    Und damit schon beim zweiten Punkt: Was hier neben Aufklärung auch sehr helfen kann, ist denke ich, dass die potentiellen Kunden auch einmal selbst das Gefährt fahren dürfen, dass sie erkennen, das es eben nicht mega-anstrengend ist, sondern, dass das deutscher High-tech ist, der da rumfährt.

    Um den Nutzenaspekt zu verstärken, helfen glaube ich auch spezielle Werbekampagnen. Ich glaube es war Linz, wo das City-managment, den Stadtbesuchern kostenlose Rikschafahrten anbot. Finanziert über die Geschäfte in der Fußgängerpassage. Als Fahrschein dient die Einkaufstüte.

    Freilich muss man dies nun nicht mit dem City-Managment aushandeln, sondern kann auch selbst versuchen, geschäfte zu finden, die dieses Angebot mitmachen.


    Ach und übrigens, die Seite www.pro-rikscha.de ist meine eigene. Der ADFC Th. hat damit nix zu tun. Nur dass ich sie im Rahmen eines FÖJ bei ihm gemacht habe.

    Nun soweit erstmal, Gruß Lutz.

  3. #3
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    Default Willkommen im Forum

    Hallo Makk,

    willkommen im Forum und im Rikschabiz. Wie Du siehst, habe ich nun auch ein deutschsprachiges Forum "Talk, Talk, Talk" eingerichtet und Deinen Beitrag verschoben.

    Ich werde mir morgen ein die Zeit nehmen, darauf zu antworten und bin auch auf Beiträge anderer User gespannt.

    Gruss aus Barcelona
    Saludos

    Gerald
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  4. #4
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    Default Ein deutsches Problem?

    Ich bin mir nicht sicher, ob es sich um ein typisch deutsches Problem handelt, dass die potentiellen Kunden einfach nicht in eine Rikscha einsteigen wollen. Es handelt sich offensichtlich um ein europäisches Problem, oder besonders nordeuropäisches Problem.

    Bei uns in Barcelona steigen überwiegend Touristen auf die Fahrradtaxen und meist sind es recht offene / weltoffene Menschen mit wenig Berührungsängsten die einsteigen und eigentlich auch viel reisen.

    Damit Berührungsängste schwinden, ist es sicher wichtig, dass:

    - Rikschas sich in Europa weiter verbreiten und durch die Präsenz eine wachsende Akzeptanz gewinnen, sei es in kleineren, als auch in grösseren Städten.

    - Die Rikschas sollten eine gute Qualität haben und äusserlichs nicht mit der zweiten oder dritten Welt zu tun haben. Rikschas aus China, Kuba oder Indien sind evtl. als Werbeträger für chinesische Restaurants etc. oder für Hochzeitsfahrten geeignet, werden meist aber nicht den ästethischen und technischen Ansprüchen der ersten Welt gerecht und schaden eher dem gesamten Sektor. Es gibt technisch und auch vom Design her tolle Fahrradtaxen, die europäischen Ansprüchen mehr als gerecht werden: Velocab, Velotaxi, Maximus, um nur ein paar zu nennen. Es gibt sicher
    schöne asiatische Fahrzeuge und es schadet nichts eine davon für alle
    Fälle auf Lager zu haben. Allerdings sollte der Hauptbetrieb auf
    "First-World-Pedicabs" basieren mit entsprechender Zulassung.

    Ich persönlich schwöre auf Velotaxi. In Barcelona wollte man mir keine klassiche Rikscha eines europäischen Herstellers zulassen, da es den Stadtoberen zu sehr "nach Kalkutta" aussah. Das ist natürlich Quatsch.
    Mein Fahrradtaxi war klasse, schön und zuverlässig.

    Aber das Velotaxi mit seinem E-Motor kommt wirklich gut an, da es äusserlich eben nichts mehr mit der Rikscha zu tun hat und wenn man
    dann noch kommuniziert, dass wir die ultimative Technologie mit dem E-Motor benutzen, dann vergisst auch der letzte seine Vorurteile. Design und Technik gehen Hand in Hand.


    - Rikschas als echtes Verkehrsmittel, ergänzend zum öffentlichen Nahverkehr? Als Verkehrsmittel "...für die letzten 1000 Meter?..."...Nun, dass versuchen wir auch, aber die Realität ist, dass die meisten Fahrgäste einfach eine viertel Stunde bis halbe Stunde entspannen wollen und sich von uns die Stadt zeigen lassen. Die wenigsten wollen von A nach B. Na, gut - hier und da ein Trip zum Hotel. Aber dass die Omi sich mit ihren Einkaufstaschen vom Markt nach Hause fahren lässt geschieht sehr selten. Dass sich Rikschas in Europa nicht als echtes Verkehrsmittel etablieren, liegt sicher auch daran, dass es hier ein reines Saison- bzw. Sommergeschäft ist und damit der Service nicht an 365 Tagen gesichert ist. Das dürfte für die meisten Betreiber zutreffen.

    - Nehmen wir mal die USA. Viele Fahrer arbeiten ausschliesslich auf Trinkgeldbasis. "Kostenlos. Wenn Du mir ein Trinkgeld geben willst, ist es herzlich willkommen...". Das funktioniert nur, weil die Amis eine ausgeprägte Tipkultur haben. Ausserdem sind die Amis lauffaul. Die lassen sich und ihre Einkaufstüten von der Shopping-Mall zum Autofahren - in einem Fahrradtaxi. Auch die Servicekultur ist viel ausgeprägter. Da fühlt sich wohl kaum einer "schlecht", einen anderen für sich trampeln zu lassen oder sich die Schuhe putzen zu lassen.

    - In Deutschland gibt es diese "Servicekultur" in der Form nicht. Ich erinnere mich an meine "Jugend" (ich bin 37): Wer eine Putzfrau hatte, war zu faul zum selbst putzen. Das verändert sich so langsam. Auch die Deutschen nehmen immer mehr Service in Anspruch. Langsam aber stetig. Wir sind aber noch weit von der Servicekultur der Amis entfernt.

    - Preise: In der ersten und zweiten Saion hatte wir Preise nach Kilometern: Ein Kilometer / Pro Person = 1,50 Euro. Das Problem war, dass wir entweder viele kleine Fahrten (1,50 - 3 Euro) hatten und vor allem: Kein Mensch weiss wieviel ein Kilometer ist. Die Distanz ist für den Endkunden nicht einzuschätzen und er wittert damit die Möglichkeit, dass der Fahrer extra Umwege fährt um mehr zu kassieren. Auch den Minutenpreis halte ich für nicht so doll. Der Endkunde glaubt: Ich bezahle Stau mit und am Ende des Tages, wenn der Fahrer müde ist, braucht er für die gleiche Strecke länger, als am Morgen, wenn er "frisch" ist. Systeme nach Minuten oder Metern sind nicht transparent genug für den Kunden. Das Misstrauen ist programmiert.

    Wir haben nun folgende Tarife: 15 Minuten = 6 Euro, 30 Minuten = 10 Euro und die Stunde kostet 18 Euro. Egal ob für eine oder 2 Personen.

    Der Kunde hat nun zumindest einen Referenzpreis. Er hat klar: Da gibt es etwas für 6 Euro.

    Er kommt neugierig zu uns und fragt "...wie funktioniert denn das, was für eine Tour ist denn das". Wir packen ihn bei seiner Neugier, denn er hat seine positives Interesse ja bereits bekundet. Wir erklären ihm, dass wir eine 15 Minuten Tour machen können für 6 Euro und veranschaulichen auf einem Plan, wo wir lang fahren und welche Sehenswürdigkeiten er zu sehen bekommt. Gleichzeitig bieten wir ihm die längeren Touren an und vielfach
    wird dann die halbe Stunde genommen.

    Wir rechnen auch nur 6 Euro ab, wenn die Tour 20 Minuten dauert, denn wir haben den Preis und die Tour ja vorher abgemacht und unser Wort gilt. Die meisten Fahrgäste bevorzugen einen Festpreis und eine vereinbarte Route. Gerade der "geschlossene Preis" ist wichtig, damit dem Kunden unangenehme Überraschungen erspart bleiben. Das Geschenk von 5 Minuten wird meist mit einem guten Trinkgeld belohnt.

    Wir lassen nicht mit uns handeln. 6 Euro sind 6 Euro. Wer aufdringlich handelt, dem bieten wir freundlich an, ihn kostenlos zur nächsten Bushaltestelle zu bringen. Wir fahren gerne mal eine Oma oder sonstwen gratis, aber bitteschön: Wir haben unsere Würde und sind nicht im Orient und sehen vor allem nicht ein, jemanden einen Euro Rabatt zu geben, der in sein 5-Sterne-Hotel gebracht werden möchte. Gehandelt wird nur bei sehr langen Touren über mehrere Stunden. Die Fahrer würden sich gegenseitig die Preise kaputt machen. Ich denke, dass gerade die Stabilität und Transparenz des Preises ein guter Weg ist, die Akzeptanz zu gewinnen.


    - Meine Theorie: Je provinzieller eine Stadt ist (ich meine das nicht negativ), desto schwieriger ist es, Gäste in seine Rikscha zu "locken".
    Ich will sagen: London, Berlin, Barcelona etc. haben viele Besucher jeden Tag und diese Besucher sind "gut gemischt". Von der Butterfahrt bis zum hochkultivierten Prof, über Studienfahrten, Wochenendreisende etc. ist alles dabei. Diese Städte sind einfach "en vogue" und man erwartet als Besucher auch besondere / schillernde Angebote, wie z.B. Rikschas.

    Ich könnte mir vorstellen, dass die Besucher, sagen wir mal Triers, nicht ganz so gemischt sind und eher geschichtlich interessiert sind. Ein Streifzug ins Nachtleben, tolle Shopping-Meilen etc. sind nicht Hauptmotiv des Besuches. Und damit ist die Durchsetzung eines Services in der Provinz ungleich schwieriger als in den glitzernden Metroplen Europas.

    - Kommunikation: Das Rückgrat jedes Betreibers sind seine Fahrer. In den Medien, so machen wir es jedenfalls, kommunizieren wir, dass es Wartelisten gibt - vom Büro bis zur Sagrada Familia (das ist tatsächlich so). Nur die Besten können Trixi-Fahrer werden. Und wir haben Architekten, Fotografen, Psychologiestudenten etc. 50 % unserer Fahrer sind Ausländer und 50 % sind Einheimische. Das ist unser Ziel. Die Ausländer (Polen, Deutschland, Uruguay, Argentinien, Italien) repräsentieren unsere weltoffenes Team. Gleichzeitig haben wir auch die unternehmerische Verantwortung, Arbeitsplätze für die Leute hier zu schaffen. Dieser Mix bringt mit sich, dass wir in so ziemlich jeder lebenden Sprache eine Tour machen könnten . Jeder Fahrer spricht mindestens 2 Fremdsprachen (der Pole z.B. Deutsch, Spanisch und Russisch) etc. Obendrein verdienen die Jungs gutes Geld. Das kommt gut an, letztendlich auch beim Endkunden. Es muss nur stetig kommuniziert werden (Presse etc.). Steter Tropfen höhlt den Stein.

    Kurz: Wenn wir von Peinlichkeit reden, dann haben die Leute meist im Hinterkopf "Dritte Welt und Ausbeutung". Dem ist tatsächlich nicht so und die Geheimformel, um Akzeptanz in der Bevölkerung zu gewinnen: Jeden Tag zeigen, dass wir "good boys" sind und ernsthafte Unternehmer und keine Freakshow. Dazu gehört auch gutes / äusserliches Erscheinungsbild der Fahrer, Sauberkeit der Fahrzeuge, tägliche Fahrzeugreinigung- und Unterhaltung, Respektierung der Verkehrsregeln, Einhaltung der Präsenzseiten / Öffnungszeiten etc.

    Die Akzeptanz und Respekt bekommen wir nicht hinterher geschmissen - wir müssen sie uns jeden Tag hart verdienen.

    Die Rikschaindustrie in Deutschland, Europa oder auch weltweit hat keine echte Lobby. Viele wursteln vor sich hin und vertritt seine eigene Interessen und betrachten den anderen als Wettbewerber / potentiellen Wettbewerber.

    Velotaxi macht z.B. starke und gute Lobbyarbeit für sich. Zur Saisoneröffnung / Schluss sieht man jedesmal Pressebilder mit Thierse, Umweltministern etc.. Dies macht das Fahrradtaxi (und vor allem das Velotaxi) national salonfähig, jedes Jahr ein wenig mehr. Indirekt profitieren davon alle Betreiber, auch die, die keine Velotaxen betreiben. Aber Lobbyarbeit könnte auch Hersteller- und Betrieberübergreifend funktionieren.

    Vielleicht sollten sich mal deutsche Betreiber und Hersteller an einen Tisch setzen und überlegen, was man ZUSAMMEN machen kann, um eine lautere Stimme zu bekommen. Einen kleinsten gemeinsamen Nenner lässt sich immer finden.

    Gemeinsame Sternfahrten oder andere Aktionen können helfen eine übergreifende Öffentlichkeit zu bekommen. Interessen zu bündeln und zu repräsentieren, dass muss die Zukunft der Fahrradtaxiindustrie sein und mich wundert, dass es in Deutschland bisher nicht geschafft wurde.

    In London haben sich die Fahrer zusammengetan und auch die Operator haben einen runden Tisch gegründet. Das ist der richtige Weg.

    Ich hoffe, einige Denkanstösse gegeben zu haben.
    Last edited by Trixi.com; 16-08-2005 at 17:39.
    Saludos

    Gerald
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  5. #5
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    Hey Gerald,

    Danke für deine Tips und Anregungen. Ein paar Gedanken von mir dazu:

    "oder besonders nordeuropäisches Problem. "

    Warum besonder nordeuropäisch? Makk sprach davon, dass er es gerne als alltägliches Verkehrsmittel etablieren will. Trierer bzw. Barceloner scheinen nach deinem Bericht eine ähnliche Hemmschwelle zu haben in die Rikscha einzusteigen.

    "Die Rikschas sollten eine gute Qualität haben und äusserlichs nicht mit der zweiten oder dritten Welt zu tun haben. Rikschas aus China, Kuba oder Indien sind evtl. als Werbeträger für chinesische Restaurants etc. oder für Hochzeitsfahrten geeignet."

    Ich selbst bin ein großer Anhänger original asiatischer Rikschas. Ich habe selbst eine indische und eine aus Bangladesh, allerdings biete ich noch keinen Rikschadienst an. Ich denke, es bringt nicht viel die Rikschas aus dem fernen Osten pauschal als Drittweltprodukte zu klassifizieren und sich von ihnen zu distanzieren. Von ihnen sollten wir durchaus lernen können. Denn da sind wir wieder beim Thema Akzeptanz und Peinlichkeit. In Asien dienen die Rikschas wirklich noch als Transportmittel und nicht als reines Touristevent. Der wirkliche Reiz dieser Rikschas liegt für mich in der wirklich bunten Vielfalt, gerade in Bangladesh. Diese kreative Vielfalt vermisse ich bei den deutschen Verwandten. Gut, hier gibt es auch Vielfalt, aber wo? - Im Layout, dass in der Grafikwerkstatt entstand, in der Werbung, die man schon von den Plakatwänden her kennt?

    "Ich persönlich schwöre auf Velotaxi. In Barcelona wollte man mir keine klassiche Rikscha eines europäischen Herstellers zulassen, da es den Stadtoberen zu sehr "nach Kalkutta" aussah."

    Das ist das Pech mit den Behörden. Interessant: Gerade gestern stand in den Onlinemagazinen der indischen Zeitungen, dass die Rikschas aus Kalkutta aus dem Stadtbild verbannt werden sollen. Da sind es auch die Behörden, die sich am Westen orientieren und die die Weichen für den motorisierten Verkehr in ihren Städten öffnen wollen, mit fatalen Folgen. Und ich glaub kaum, dass es ihnen wirklich nach "Kalkutta" aus, denn in Kalkutta sind es keine Fahrradrikschas, die bedroht sind, sondern handgezogene ;-)

    "Die Rikschaindustrie in Deutschland, Europa oder auch weltweit hat keine echte Lobby. Viele wursteln vor sich hin und vertritt seine eigene Interessen und betrachten den anderen als Wettbewerber / potentiellen Wettbewerber."

    Ja, das ist das Problem hierzulande. Und wie ich mitbekomme haben gerade auch viele kleinere Betriebe ganz groß Probleme mit Velotaxi, da sie sich bedrängt fühlen.

    Ein runder Tisch wäre hier wirklich sehr hilfreich.

    Es grüßt, Lutz.

  6. #6
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    Default Kreativität

    Zum Thema Kreativität, hiermal noch was ich makk per Mail geantwortet hab, als er sagte der Exotik-Bonus würde In Europa sichtlich dahinschwinden.
    Zuerst gab es den Exotik-Bonus, der nun zu verschwinden droht, das ist korrekt.
    Wovon ich aber viel lieber spreche ist der Kreativitäts bzw. Innovationsbonus. Wir leben nunmal in einer Welt, wo es auch Innovationen bzw. Kreativität bedarf, um auf dem Markt zu bleiben. Dass die Werbeaufträge nach deiner Einschätzung (Ich kenne leider groß keine anderen), mag damit zusammenhängen, dass wie du schon sagst der Exotik-Bonus langsam schwindet. Mensch muss also auffallen um beständig wahrgenommen zu werden. Man muss dem Auge Abwechslung bieten um wahrgenommen zu werden. Schau doch mal in ein paar Ursprungsländer der Rikschas, nach Indien oder Bangladesh. Bangladesh ist das Land mit den schönsten Fahrzeugen auf Erden (http://www.webpak.net/%7Ericksha/index.htm). Nirgendwo gibt es schönere Rikschas als dort. Und vor allem, es gibt auch Vielfalt. Die Herstellung dieser Rikschas ist Handarbeit und demzufolge ist jede Rikscha da auch individuell.
    Schaut man aber nach Deutschland langweilt sich das Auge bald, High-Tech-Rikschen aus der Massenfertigung, verziert mit massenhafter Werbung, die einem schon bekannt vorkommt, da diese und ebenso aus dem Fernsehen und von Plakaten anlacht. Ein Ursache für diese Langeweile des Auges ist die Modellarmut bei den Rikschas. Da gibt es das Modell Velotaxi. Dies kennt es nun schon zur Genüge. Das Modell Velocab mag noch nicht so verbreitet sein, aber auch hieran hat man sich schnell gewöhnt. (Rein von den Modellen her, finde ich das Modell Velotaxi übrigens ästhetischer, da es eine abgerundete lebenigere Form hat und das Modell Velocab zu sehr nach Technik aussieht und auch insgesamt zu eckig daher kommt. Aber dies mag Geschmackssache sein). Weitere Modelle fahren in Deutschland eher selten rum und das stellt die Armut dar. Einige Fuhrunternehmen haben noch mehrere chinesische Rikschas importiert, aber diese langweilen auch relativ schnell.
    Weniger bekannt sind die Modelle Gustav W.-Rikscha (http://www.die-fahrradwerkstatt.de/) und nihola (http://www.nihola.info/), wobei ich letztere von allen modernen deutschen Rikschas am ästhetischsten finde. Bei deren Modell ist allerdings der Nachteil, dass nur für einen Gast Platz genug ist. (Nihola hat übrigens auch ein tolles Modell für Kinder, passen bis zu 6 Kids rein).

    Was hat man also für Möglichkeiten mehr ins Blickfeld zu geraten?

    Entweder sich einen ausländischen Rikschahersteller zu suchen(, halte ich für übertrieben).

    oder sich Rikschas aus Fernost zu beschaffen und aufrüsten.

    Eine andere Möglichkeit ist, sich so ein deutsches Modell aufzuarbeiten. Warum also nicht mal versuchen mit Künstlern zusammenzuarbeiten. Einen Wettbewerb für den schönsten und realistischen Entwurf zur Rikschaverschönerung oder so. Sowas muss auch nicht unbedingt so sein, dass man keine Werbung mehr anbringen kann. Ideen z.B. mit bestimmten Materialen verkleiden, Federn z.B. oder den Rahmen verplüschen (->Kuschelmobile) oder...

  7. #7
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    Default Peinlichkeit

    Hallo Lutz,

    ich meinte das eher bezogen auf die "Peinlichkeit". Warum steigen bei uns nur wenige nationale Fahrgäste ein? Mit Sicherheit nicht wegen diesem Argument, sondern weil "...ich bin doch kein Tourist"...Lokale Fahrgäste haben wir mehr am Wochenende. Papis mit Kindern. Omi, die sich zum Restaurant fahren lässt etc. Persönliche Highlights.

    Zur pauschalen Verurteilung von asiatischen Rikschas:
    Ich bin nicht pauschal dagegen. Das ist lediglich eine Geschmackssache, ob eine buntbemalte pakistanische Rikscha ins Stadtbild einer modernen Grossstadt passen oder nicht. Ich meine, eben nicht. Natürlich bin ich weltoffen und für Pluralität, aber eine Stainless-Steel Rikscha von Velocab oder das Ei von Velotaxi finde ich vom Design doch eher zeitgemäss. Aber das sind marginale Differenzen, die wir da haben

    Mir geht es vor allem darum, dass Fahrradrikschas aus Fernost unbedingt den nationalen Sicherheitsstandards entsprechen müssen und TÜV-zugelassen sein, genauso wie Velocabs und Velotaxis. Gleiche Bedingungen für alle und qualitativ hochwertige Produkte für alle.
    Die Sicherheitsstandards (Bremsen etc.) sind in vielen Ländern der Dritten Welt ungleich niedriger als z.B. in Deutschland und ich würde behaupten, dass die meisten Rikschas aus Asien nicht durch den TÜV kämen, sofern keine Anpassung erfolgen würde. Der Kollege aus Stockholm (Josef) verflucht seine Asien-Rikschas für ein paar hundert Dollar. Mangelnde Qualität und fehlende Ersatzteilversorgung stellen ein Problem dar.

    Klar, dass Velotaxis schnelles Wachstum bei anderen Betreibern Bedrängungsängste auslöst. Aber irgendwie gehört das zum freien Markt. So hat sich Velotaxi in England bisher nicht so erfolgreichen durchsetzen können wie z.B. Velocab. Und auch auf dem amerikanischen Markt findet man kaum Fahrzeuge europäischer Hersteller. Ich finde das hochinteressant. Aber mit Wettbewerb muss auch ich sicher in Barcelona irgendwann rechnen und dann wird sich halt zeigen, ob Platz für mehrere Betreiber ist oder nicht. Ob ein Verdrängungswettbewerb stattfinden wird, dass muss man dann sehen. Aber das passiert selbst einem Gemüsehändler auf dem Stadtmarkt. Am Ende entscheidet die Werbewelt und vor allem der Endkunde und Benutzer der Rikschas über die Zukunft des Marktes.

    Wie auch immer: Die Diskussion wird immer spannender!
    Last edited by Trixi.com; 16-08-2005 at 14:50.
    Saludos

    Gerald
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  8. #8
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    Es ist klar, dass die asiatischen Rikschas hier einen TÜV nachholen müssen und dass man vorher ein bißchen zu basteln hat. Aber ich denke mit ein wenig Geduld und ein paar guten Kontakten zu bastelfreudigen Menschen, ist sowas hinzukriegen.

    Was ich noch schreiben wollte: "Jeden Tag zeigen, dass wir "good boys" sind und ernsthafte Unternehmer und keine Freakshow. Dazu gehört auch gutes / äusserliches Erscheinungsbild der Fahrer, Sauberkeit der Fahrzeuge, tägliche Fahrzeugreinigung- und Unterhaltung, Respektierung der Verkehrsregeln, Einhaltung der Präsenzseiten / Öffnungszeiten etc."

    Bis auf die letzten zwei, drei Punkte gilt dies übrigens auch für die asiatischen Kollegen. Da hört man so sachen, dass zu Beginn jedes Tages die Rikscha mit einem Parfüm eingedieselt wird, damit sie auch gut riecht...

  9. #9
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    Default Hintergründe zur mangelnden Akzeptanz ...

    Hallo Lutz und Hallo Gerald,
    schön, dass Ihr Eure Gedanken zu dem Thema mitteilt.

    Exotik-Bonus und alltägliche Personenbeförderung

    Wenn ich den Begriff Exotik-Bonus benutze, dann meine ich damit, dass Menschen die Rikscha als zugehörig zu einer fernen Kultur erkennen und als etwas Besonderes, Exquisites, Nicht-Alltägliches, Außerhalb unserer Welt stehendes ansehen. Der Exotik-Bonus bringt manche Menschen dazu viel Geld für das vermeintlich "exotische" auszugeben. Andere Menschen bringt er dazu das "exotische" als fremd und unpassend für uns abzulehnen, zumal kein wirklicher Bedarf danach besteht. Die Menschen mit der ablehnenden Haltung dem Exotischen gegenüber sind bei Weitem in der Überzahl und der Bedarf ist tatsächlich nicht vorhanden, weil die Beförderung vollständig ist auch ohne Fahrradtaxi.

    Den Exotik-Bonus fahren für mich Rikschabetriebe, die hochpreisig anbieten und die Besonderheit des Angebotes herausheben, die für besondere Anlässe fahren, die zu besonderen Zeiten fahren und die für ausgewählte Kundschaft fahren.
    Die alltägliche Personenbeförderung fährt alle Menschen unabhängig von Alter, Status, Reichtum, etc... .
    Die alltägliche Personenbeförderung fährt jederzeit unabhängig von Jahreszeit, Tageszeit, Saison und bedient dabei jeden Bedarf unabhängig von seiner Herkunft ob touristisch, persönlich, regional, spontan oder geplant.
    Die alltägliche Personenbeförderung fährt Preise, die aus den Kosten kalkuliert sind, nachvollziehbare Preise, die weder über- noch untertrieben sind.

    Mein Ziel ist die alltägliche Personenbeförderung und damit sehe ich den Exotik-Bonus als hinderlich, ja schädlich an. Außerdem halte ich den Exotik-Bonus für unpassend für die Entwicklung der Fahrrad-Taxi-Branche in Europa, weil ich glaube dass diese Entwicklung eine Zeiterscheinung mit guten, angemessenen Hintergründen ist.

    Hintergründe der zeitgemäßen europäischen Fahrradtaxi Beförderung

    Meiner Meinung nach entsteht die "Personenbeförderung durch menschliche Arbeitskraft" in Europa auf einem global bedeutsamen Hintergrund:
    Der Fall der Mauer in Deutschland hat dazu geführt, dass die Wege nach Osten frei geworden sind. Mit Osten meine ich den ganzen Osten einschließlich China, Indien und Indonesien, wo ca. 3 Mrd. Menschen einen Lebensstandard weit unter dem der westlichen Welt besitzen. Alle diese Menschen wollen Auto fahren, Kühlschränke und Mikrowellenherde, Fernseher, Computer und Versicherungen; sie wollen genauso gut leben wie die im Westen und die westliche Wirtschaft will ihnen die ersehnten Güter liefern.
    Es gibt zu dieser Entwicklung schon Hochrechnungen, die besagen, dass eine Kopie unseres Lebensstandards von heute auf die 3 Mrd. Menschen im Osten dazu führen würde, dass uns die Luft zum Atmen innerhalb von 24 Stunden ausgehen würde.

    Das bedeutet, dass unser Lebensstandard nicht auf die ganze Welt übertragbar ist.
    Das bedeutet aber auch, dass unsere Luft von Tag zu Tag schlechter wird, bis wir wirkliche Probleme mit der schlechten Luft bekommen.
    Das bedeutet auch, dass in den Städten in naher Zukunft Maßnahmen zur Luftverbesserung angesagt sind.
    Das bedeutet, dass die Personenbeförderung per abgasfreiem Fahrrad-Taxi eine zeitgemäße Erscheinung ist und jeder Unterstützung wert.

    Der Exotik-Bonus behindert unseren Auftrag, die nahenden Probleme rechtzeitig in den Griff zu bekommen. Noch ist die Luft nicht schlecht genug, dass die Menschen den Bedarf nach Fahrrad-Fortbewegung erkennen. Noch ist genug Benzin bezahlbar um damit den Großteil des Beförderungsbedarfes zu decken. Noch können die Menschen unser Angebot der umweltfreundlichen Beförderung ablehnen ohne dabei einen Nachteil befürchten zu müssen.

    Aber: Die Entwicklung ist schon weit vorangeschritten, wir (Fahrradtaxi-Betreiber) werden bald gebraucht werden. Die Zeit ist nicht mehr fern, wo eine Beförderung in den Städten ohne Fahrrad-Taxi nicht mehr denkbar sein wird. Wir werden nicht nur den Großteil der Personenbeförderung decken sondern auch für den Großteil des Warentransportes in den Städten benötigt. Diese Erkenntnis ist allgemein völlig unbekannt sowohl unter den Bürgern als auch unter den Entscheidungsträgern in den Städten und Regierungen als auch unter den Fahrrad-Taxi-Betreibern selbst, denen zum großen Teil das Wasser bis zum Hals steht, die sich mit hohem Aufwand und geringem Erfolg bis an die Grenzen ihrer Belastbarkeit für eine Sache einsetzen von der sie gar nicht wissen wofür sie eigentlich gut ist. In Allgemeinen glauben die Betreiber, es gehe um einen betriebswirtschaftlichen Gewinn, der im Großen und Ganzen dann doch eher gering ausfällt.

    Velotaxi mit der Zielsetzung: "Werbung auf Rädern" fahrt dabei noch am Besten mit seinen Fahrzeugen, die den Exotik-Bonus vollständig verlassen und damit den Weg bereitet haben für alle anderen, die jetzt nachziehen. Dabei muss ich anmerken, dass die Werbeeinnahmen von Velotaxi meiner Meinung nach bereits ihren Höhepunkt überschritten haben und eine feindliche Übernahmesituation von Velotaxi praktisch nicht mehr zu befürchten ist. Mag sein, dass der eine oder andere Betreiber noch unter der Velotaxi-Konkurrenz leidet, die Hochzeit von Velotaxi ist vorbei. Jetzt kann durch Werbeeinnahmen nicht mehr lange die Personenbeförderung subventioniert werden. Darum halte ich die Kalkulation von Werbeeinnahmen für die Beförderungspreisermittlung für unstabil. Stabil ist die Kalkulation aufgund der Fahrer- und Fahrzeugkosten einschließlich Versicherung, Umsatzsteuer und Lohnnebenkosten. So kalkulierte Preise können schon jetzt am Markt einigermaßen stabile Umsätze hergeben, die schon fast dazu reichen wenigstens nicht aufgeben zu müssen.

    Alle diese Informationen und Gedanken habe ich in den letzten drei Monaten auf den Straßen von Trier und in der Praxis des Fahrradtaxi-Betreibes zusammengetragen.

    Im Moment heist für mich die Parole: Durchhalten.

    Weitere Themen aus Eurer Kommunikation

    Zum Thema Kreativität, Innovation sage ich: schön, mach was machbar ist, zuviel kann Dich das wenige an Umsatz kosten, das nötig ist zum Durchhalten.

    Technik: Klar, dass wir für unsere Aufgabe geeignete Werkzeuge brauchen.

    Zusammenarbeit: So nötig wie nie! Ich kann jede Unterstützung brauchen, die ich bekommen kann. Wenn einer meint er bräuchte das nicht, das verzeichne ich unter Hochmut.
    Gut finde ich gerade diese öffentliche Diskussion, die das Thema auf den Tisch bringt.
    Gut finde ich, wenn wir in dieser Diskussion alle Punkte zusammentragen, die den Gesamtzusammenhang erkennen lassen. Gut finde ich, wenn daraus eine Zusammenfassung entsteht, die an die Öffentlichkeit außerhalb unseres Kreises von Spezialisten geht und die unsere Situation widerspiegelt,
    damit der als Peinlichkeit getarnten Arroganz und Ablehnung unserer Dienstleistung jede Grundlage entzogen wird,
    damit sich die Akzeptanz auf breiter Front in Deutschland und Europa für unsere Dienstleistung unserer Realität entsprechend verändert,

    damit unsere grundlegende Situation der mangelnden Auslastung verschwindet,
    damit wir unserem Auftrag in Europa gerecht werden können.

    Das sind meine Gedanken zum Thema: mangelnde Akzeptanz
    Martin
    Last edited by makk; 16-08-2005 at 23:50. Reason: Titel hinzufügen

  10. #10
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    Hallo Lutz,
    Hab mit Stefan gesprochen, seine Seite verlinkt und ihm geraten einen Steuerberater hinzuzuziehen, seine Velotaxi-Furcht zerstreut, seine Verzweiflung gemildert, ihm empfohlen peinlich auf seine Liquidität zu achten(dafür auch der Steuerberater), seine Kalkulation zu überprüfen, seine Auslastung täglich zu berechnen und alles dafür zu tun, dass sie ständig steigt.

    Danach habe ich im Forum weitergeschrieben.

    Das Problem mit der Mehrwertsteuer (Taxiunternehmer zahlen 7%, Fahrradtaxiunternehmer zahlen wenn dann 16%) habe ich an meinen Steuerberater weitergeleitet. Mal sehen, was der rauskriegt.

    Mit Guido Struß von velocab habe ich gesprochen und ihn auf unsere Diskussion im Forum hingewiesen. Seine Situation ist auch nicht gerade rosig. Sein Event-Angebot wird schlecht angenommen. Jemand hat ihm was vom Sommerloch erzählt.
    Ich habe ihm meine Erfahrungen der letzten Wochen zusammengefasst. Die Situation, dass fast jede Unterstützung unterbleibt, von Seiten der Gastronomie, von Seiten der Hotels, von Seiten der Stadt und der Tourist-Information. Im Gegenteil, mir werden Informationen vorenthalten, Termine werden verschleppt und verzögert, bei der Tourist-Information Trier macht ein entscheidungsbefugter Mitarbeiter ohne Vertretung mitten in der Saison 3 Wochen Urlaub; und niemand kann ihn ersetzen. Ich habe von einem Freund erfahren, dass im September die Stadt Trier mit einem neuen Prospekt auf die Messen geht, der das Programm des nächsten Jahres enthält. Wenn ich in dem Prospekt nicht enthalten bin, dann gibt es mich auch in 2006 für die Touristik-Branche in Trier gar nicht.

    Zur Zeit kann ich ungefähr 50,-€ am Tag umsetzen in den Straßen von Trier dank einer Stadtrundfahrt, die 30 Minuten dauert und für 2 Personen mit 14,-€ angesetzt ist. 3 -4 solche Rundfahrten kommen am Tag zusammen, ein wenig Taxi-Betrieb dazu. Das Trinkgeld kann sich sehen lassen ca. 10 € am Tag.

    Viele Gespräche mit Fremden und Einheimischen, viel Weitergabe von Information was ich mache, was das kostet, was ich nicht mache, was das für ein Teil ist, das ich dabei habe, wieviel Gänge das hat, wie die Bremsen funktionieren. Oft habe ich den Eindruck, das alles ist notwendig, jeder braucht seinen Weg zu diesem Fremden, Neuen, Unbekannten. Ein Vierjähriger hat während ich Kaffee trank im Verlauf von ca. 10 Minuten ausführlich meine Rikscha untersucht, Sitz getestet, Lampe, Räder, Schläuche, Hebel, hat unter das Bodenblech gekuckt, seine Mutter stand gelangweilt daneben. Fahren wollen sie nicht.

    Noch empfinde ich keine Furcht vor dem, was kommt. Ich freue mich über den Muskelzuwachs am ganzen Körper, die langsame Veränderung meiner Körperhaltung zum Vorteil. Meine Frau sorgt oft dafür, dass ich esse. Ich finde Freunde auf der Straße. Wie auch bei Stefan ist die Zustimmung die ich bekomme ganz außergewöhnlich; alle wollen bezeugen, wie toll sie das finden. Fahren wollen sie nicht.

    Meine Ernährung:
    Gerne esse ich Haferflocken in Milch mit Honig manchmal auch mit Erdnussbutter, ich genehmige mir einen Kakao mit zwei Brötchen zwischendurch, oder ich nehme ein Mozarellabrötchen. Wasser brauche ich viel. Ich rauche ständig, wenn ich wieder stehe. Morgens brauche ich Brötchen mit Butter und Marmelade und Kaffee.

    Wichtig finde ich regelmäßige tägliche Waschungen besonders des Allerwertesten. Das schleifen zu lassen führt zu unangenehmen Pickeln die schmerzen beim Fahren. Die Muskulatur kneift vor allem in der ersten Tagesstunde, danach ist sie eingefahren und dann kommt ein Schwächeanfall nur wegen zu wenig Nahrung. Ich kann ohne Probleme 12 Stunden draußen sein, wahrscheinlich auch, weil ich keine volle Auslastung fahre. 5 Stunden Fahrtzeit bedeuten etwa 50 km am Tag, davon ca. 30 km mit Gewicht. Zur Zeit werden es etwa 10 km mit Gewicht sein. Wenn ich auf meiner Seite für die angehenden angestellten Fahrern schreibe: "Ihr Arbeitslohn ist wirklich schwer verdientes Geld.", dann meine ich das auch.

    Hier habe ich mich entschlossen, das ganze im Forum weiterzugeben.
    Zunächst wollte ich Dir, Lutz, eine e-Mail schicken, aber Ich glaube, diese ganzen Zeilen hier habe ich eigentlich geschrieben, um einen Eindruck von mir zu vermitteln als einem Menschen, der wirklich mit diesem Geschäft lebt. Ich bin kein Unternehmer, der am Schreibtisch sitzt, die Fingernägel pflegt und seine Angestellten vorschickt, damit sie die Arbeit machen.
    Ich habe Vermessungstechniker gelernt, Abitur nachgeholt, Psychologie studiert 4 Semester lang, als Blechschlosser, auf dem Bau und als LKW-Fahrer gearbeitet, war Taxifahrer in Trier, habe angelernt im Zahnlabor 7 Jahre lang in der Keramikverblendung Zahnersatz hergestellt, habe zum Informatikkaufmann umgeschult und dann fast 3 Jahre als Administrator in einem Steuerbüro gearbeitet.
    Ich bin 21 Jahre verheiratet und habe einen ebenso alten Sohn. Ich lebe in einer kleinen Mietwohnung allein, damit ich mit meinen Angelegenheiten auch zurechtkomme. Meine Bedürfnisse sind alle befriedigt. Ich kann jederzeit etwas anderes machen, finanziell hat mich der Kauf der 4 Rikschen in Schulden gebracht, doch das kann ich verkraften. Mein Gemüt ist stabil.

    Ich habe das Rikscha-Projekt begonnen, weil ich glaubte, das wäre in Trier machbar und gut. Überhaupt finde ich etwas Gutes immer gut, dabei reicht mir meine eigene Einschätzung.

    Mir ist daran gelegen, dass das ganze Projekt mit allen Fahrrad-Taxi Betrieben in ganz Deutschland weiterkommt. Mir ist auch daran gelegen, dass mein Betreib weiterkommt.

    Ich glaube dass die Haltung der Europäer zur Fahrrad-Taxi Beförderung vermurkst ist. Ihr Denken scheint daran zu scheitern, ihre verstörten Gefühle vermitteln ihnen die Flucht davor und das ist nicht gut, weil ich mich dabei mißachtet fühle. Das gefällt mir nicht. Das mag ich nicht hinnehmen.

    Als denkender und arbeitender Mitmensch, der gerne sein Teil zum Allgemeinwohl beiträgt macht mich diese Missachtung wütend bis sauer.
    Ich kann schon manchmal gar nicht mehr freundlich sein, wenn mir jemand behauptet, dass er Füße hat mit denen er geheh kann!
    Glaubt dieser Mensch denn wirklich ich könnte nicht sehen, wie er auf seinen Füßen geht?
    Glaubt dieser Mensch denn wirklich, dass er die Fahrradtaxi-Beförderung nicht nötig hat, weil er alle seine Wege mit seinen Füßen zurücklegt?
    Ich kenne keinen Menschen hier, der nicht Beförderungsmittel in Anspruch nimmt, aber ich erlebe laufend, dass Menschen, die kein Problem damit haben ein Beförderungsmittel zu benutzen, sehr wohl ein Problem damit haben ein von Menschen angetriebenes Fahrrad-Taxi zu benutzen.

    Das ist falsch, ungut und verwirrt, das gehört in eine andere Zeit oder auf den Müll. Das ist Schwachsinn. Das ist allgemeiner Schwachsinn, von dem fast jeder befallen ist, das beleidigt meinen Verstand und das mehrmals in der Minute jeden Tag.

    Soweit glaube ich habe ich jetzt alles zusammengetragen, damit ihr die ganze Tragweite versteht, die mich mit der Rikscha auf der Straße verbindet.

    Martin
    Last edited by makk; 17-08-2005 at 01:48. Reason: Fehlerbeseitigung

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