Immer im Training: Rikscha-Fahrerin Lisa Rauschenberger

STUDENTENJOB RIKSCHAFAHRER


Dicke Waden bei 15 km/h

Vorn strampelt eine Studentin, hinten machen es sich Touristen gemütlich: In Köln müht sich Lisa Rauschenberger, 21, als Rikscha-Fahrerin ab. Ein lukrativer Job - auch wenn sich Lisa selbst nie mit dem Fahrrad kutschieren lassen würde.


"Auf Kuba habe ich mich mal in einer Rikscha fahren lassen. Danach hatte ich mir eigentlich geschworen: Nie wieder! Mir kam es komisch vor, bequem auf der Rückbank zu sitzen, während sich vor mir ein Einheimischer abstrampelte. Deswegen war ich skeptisch, als mir eine Freundin von dem Aushang für Rikscha-Fahrer an der Uni erzählte. Ich fand die Idee schon witzig, aber ich habe mir das zuerst nicht zugetraut. Ich dachte, dafür bin ich zu schwach. Meine Freundin sagte dann 'Nee, Quatsch, das können auch Mädchen machen' - und dann habe ich das ausprobiert und mir hat das sofort richtig Spaß gemacht.

Viele Leute kommen einfach vorbei und wollen mit mir reden und Fotos von mir und der Rikscha machen. Ich glaube, die finden das manchmal schon etwas exotisch und fragen mich auch, warum ich das mache. Ich probiere einfach gern verschiedene Jobs aus. Meine Freunde lachen schon über mich und sagen: 'Aha, jetzt eine Rikscha. Mal gucken, was dann kommt.' Die kennen mich schon.

Mit den Fahrgästen habe ich schon viele lustige Geschichten erlebt. Ich habe einen türkischen Mann zu einem Treffen gefahren, der hat die Rikscha als richtiges Transportmittel benutzt, nicht nur so zum Spaß. Der hat dann auch gleich mit mir gefeilscht. Am Ende waren wir bei 10 Euro und einer Einladung zum Essen. Den Termin zum Essen habe ich aber leider verpasst.

Meistens sind Touristen mit mir unterwegs, die lassen sich die Kölner Sehenswürdigkeiten zeigen. Ich hatte mal einen Mann mit seiner chinesischen Freundin, die habe ich den Rhein entlang gefahren. Einmal habe ich zwei Brasilianer zum Schokoladenmuseum gebracht, die waren sehr nett. Die haben mir sechs Euro Trinkgeld gegeben, weil sie so begeistert waren, dass ich mich mit Fußball auskenne. Wir haben erst über Pelé gesprochen und dann über Maradona diskutiert, weil ich schon mal in Argentinien war. Das war wirklich witzig.

Meinen Arbeitstag kann ich frei gestalten. Ich fahre zum Depot, wo die Rikschas stehen, und miete eine für einen Tag. Das kostet zwölf Euro, am Wochenende 20 Euro. Danach kann ich machen, was ich will. Es hängt von mir selbst ab, ob ich viele Fahrten mache oder wenige. Eine halbe Stunde kostet 18 Euro, da verdiene ich in kurzer Zeit relativ viel Geld. Und dann bin ich auch froh, wenn ich mal wieder ein halbes Stündchen in der Sonne sitzen kann und mit den Kollegen quatschen. Und dann geht es weiter.

Eine halbe Stunde am Stück kann ich schon fahren. Mehr schaffe ich nicht, dafür muss ich noch ein bisschen trainieren. Meistens bin ich nach 25 Minuten ziemlich platt. Ich fahre bestimmt nur an die 15 Stundenkilometer, aber das ist ja auch ein ganz schönes Gewicht, die Rikscha mit den Gästen. Am schlimmsten sind kleine Berge, da muss ich ordentlich strampeln. Zum Glück habe ich für solche Fälle einen kleinen Motor.

Mir gefällt der Job richtig gut. Jeden Tag höre ich eine Menge Geschichten und lerne neue Leute kennen. Mit der Rikscha ist man schon eine kleine Sensation. Die Leute bleiben stehen, gucken und lachen. Etwas Böses habe ich noch nie gehört. Ich kann mir schon vorstellen, mit der Rikscha mein Geld für diesen Sommer zu verdienen."

Aufgezeichnet von Britta Mersch